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Architekten sollen für Fehler haften

Mehrkosten beim Feuerwehrhaus durch falsche AusschreibungVon Barbara Barth

Talheim
Mehrkosten für öffentliche Bauvorhaben sind keine Ausnahme und werden in der Regel von den Gemeinderäten akzeptiert – wenn auch zähneknirschend. Sind die Nachträge aber durch einen offensichtlichen Fehler des verantwortlichen Architekturbüros entstanden, weil die Ausschreibung für ein Gewerk eine unrichtige Massenangabe nannte, dann werden Gemeinderäte ungemütlich. „Warum sollen wir mehr zahlen, wenn der Architekt falsche Zahlen schreibt?“, fragte Dr. Michael Gantner.

Nachtrag
Fakt ist, dass Talheim auch dann für den Estrich in der Fahrzeughalle im neuen Feuerwehrhaus mehr Geld hätte ausgeben müssen, wenn die Zahlen gestimmt hätten. Aber nicht so viel, wie die Firma Konz & Schäfer jetzt als Nachtrag verlangt. Ausgeschrieben war ein Mörtelbett in der Höhe von 90 bis 130 Millimeter. Gebraucht wird aber eine Höhe von 140 bis 180 Millimeter. Der angebotene Einheitspreis ist von der Firma für die tatsächlich benötigte Höhe nicht einzuhalten. Sie verlangt für 90 Millimeter Mehrstärke auf der 550 Quadratmeter großen Fläche zusätzliche 20 617 Euro. „Der Preis ist wesentlich überhöht“, meinte Architekt Sven Wilhelm vom Büro Otto/Hüftlein-Otto. Die Beilsteiner Firma Egon Hägele hat für 70 Millimeter mehr Estrich eine Summe von 7854 Euro angeboten. Warum einmal 90 Millimeter und einmal 70 Millimeter angeboten werden, wo doch in der Ausschreibung nur 50 Millimeter zu wenig Mörtelmasse angegeben waren, wunderte nicht nur Joachim Dürr (BIT). Aufklären konnte Wilhelm diesen Sachverhalt nicht. Mehr noch als der fehlende Mörtel aber beschäftigte das Gremium die Tatsache, dass bei Vergabe an Konz & Schäfer und Hägele zwei verschiedene Firmen am Estrich für den Rüttelklinkerboden zu Gange wären. „Das missfällt mir total“, meinte Heribert Danner (CDU). „Nicht aus zwei Händen“, forderte SPD-Rätin Eva Volz. Selbstverständlich sollte Konz & Schäfer schriftlich die Gewährleistung für die Fliesenarbeiten übernehmen, sagte Architekt Wilhelm. Erstens aber lag diese Erklärung nicht vor, und zweitens beruhigte das die Gemeinderäte mitnichten. „Sie haben den Fehler gemacht und stehen für die Mehrkosten gerade“, forderte Gantner. „Das ist Ihr Haftungsproblem.“ Bis Gespräche mit den Firmen Klärung bringen, setzte der Rat die Vergabe des zusätzlichen Estrichs aus. Gleiches passierte mit einer Leitung zur Zisterne. Da erst ein Angebot vorlag, wollte die Gemeine weitere abwarten und beauftragte die Verwaltung mit der Vergabe an den günstigsten Bieter.

Schutz
Mehrkosten von rund 500 Euro verursachen 55 Meter Dehnungsprofile aus Edelstahl statt aus Aluminium, weil sie säure- und laugenbeständig sind. Als sinnvollen Schutz erachtete das Gremium auch eine zusätzliche Blechverkleidung für Rohrleitungen in der Halle. Sie kostet 403 Euro. Die Flachdachabdeckung wird um 1530 Euro teurer, bei den Außenanlagen sind es 22 719 Euro. Wegen des schlechten Wetters muss die 1630 Quadratmeter große Außenfläche gekalkt werden, um den Boden zu verbessern. Ansonsten werde, so Landschaftsarchitekt Micheal Epple, die Tragfähigkeit nicht erreicht.

Artikel der Heilbronner Stimme vom 27.09.2014