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Naturtöne bestimmen die Optik

Innenausbau beim Feuerwehrhaus kann beginnen – Übungsturm eine Herausforderung an die StatikVon Sabine Friedrich

Klaus-Peter Berner packt die Stoffmuster ein, klappt den Tisch zusammen. Ursula Hüfftlein-Otto und Maximilian Otto haben sich entschieden. Die Stühle bekommen eine Pfeffer-und-Salz-Polsterung aus neutralem Grau, und das Tisch-Modell mit heller Kunststoffoberfläche und Buche-Umleimer soll es sein. So wird der Vorschlag für den Talheimer Gemeinderat lauten. „Ein Dreiklang aus verschiedenen Hölzern“, meint Architekt Otto mit Blick auf Fichte im inneren Fensterrahmen und Eichen-Parkett für den Versammlungsraum. Die Bemusterung für die Möbel ist abgeschlossen, das Architektenehepaar kann sich beim wöchentlichen Jour fixe mit der Verwaltung anderer Details zuwenden. An diesem Morgen sind auch die Fachingenieure für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro auf der Baustelle des Feuerwehrhauses an der Horkheimer Straße. In der kommenden Woche ist der Estrich trocken, so dass mit dem Innenausbau gestartet werden kann.

Kabelsalat
Fünf blaue Schläuche hängen von der Decke der Fahrzeughalle. Die Abgasabzugsanlage lässt sich über eine Schiene an die Einsatzwagen anschließen. Unter kreischendem Lärm montieren die Heizungsbauer die Gasdunkelstrahler unter der Decke. Überall hängen weiße und rote Kabel herunter. Weiß für Strom, rot für die Brandmeldeanlage. Im Technikraum für Elektro und EDV herrscht hingegen „Kabelsalat“. Diyan Ivanov und sein Kollege entwirren das Chaos und verdrahten die Zuleitungen im Verteilerschrank. Etwa 20 Kilometer Kabel sind im Gebäude verlegt. Ein Stockwerk höher ist ebenfalls modernste Technik im Einsatz. Mit einem Laserentfernungs- und einem Kreuzlinienmesser überprüft Herbert Pöllinger die Maße aus dem Grundriss mit dem Versammlungsraum, damit die Trennwände für Küche, Jugendraum und Floriansstüble, die in Metallständerkonstruktion mit beplankten Holzplatten ausgeführt werden, passen. Auf der Terrasse fehlen noch die Betonplatten, die Isolierung des Umkehrdachs mit Styrodur ist erledigt. Auf den Flachdächern ist der Lavastein für die Begrünung verteilt. „Wir holen die Landschaft ins Haus“, erläutert Otto das Farb- und Materialkonzept. Natur ist hier das Zauberwort. Der Architekt wirft den Blick aus den großen Fensterfronten. „Die Maisfelder kommen in der Fassade vor“, meint er. Seine Frau spricht von einem Farbspektrum des Wasserstrichziegels mit Beige- und Grautönen. Die roten Feuerwehrfahrzeuge werden der Farbtupfer sein, hier und da auch das Talheimer Rot, zum Beispiel am Eingang. Die Verkleidung des L-förmigen Feuerwehrcampus’ sieht edel aus – sei aber nicht teurer als Sichtbeton, macht die Architektin deutlich. Ihr Mann spricht von einer robusten, strapazierfähigen und langlebigen Ausführung.

Sicherheit
Markus Schüchtle, „Baubeauftragter“ der Feuerwehr, und beim Jour fixe dabei, scheint im neuen Gebäude so richtig frei atmen zu können, angesichts der drangvollen Enge in der Sonnenstraße. „Wir haben Bewegungsfreiheit“, sagt der Vize-Kommandant und weist auf die genormte, modernsten Sicherheitsanforderungen entsprechende Fahrzeughalle hin. Er schwärmt von den Nebenräumen, etwa für Atemschutz und Gefahrenstoffe, von der Werkstatt, in der eigene Kräfte Wartungen verrichten können. „Wir übernehmen viel Technik aus dem alten Magazin“, erklärt Schüchtle, der es kaum erwarten kann, bis mit Fertigstellung im März 2015 die Feuerwehr im digitalen Zeitalter angekommen ist, auf PCunterstützte Einsatzpläne zugreifen kann und Internetanschluss hat. Nicht nur für die rund 50 Aktiven, auch für die 20 acht- bis 17-Jährigen in der Jugendfeuerwehr – die eigene Umkleiden und getrennte Toiletten erhält – erhofft er sich einen Motivationsschub durch den Neubau und Neuaufnahmen. „Ganz toll“ findet der Vize-Kommandant den 14 Meter hohen Übungsturm, eine Herausforderung für die Statik. Podeste ermöglichen drei unterschiedliche Anleiterhöhen. Otto spricht von einem „Merkpunkt“ der Feuerwehr, wie eine Plastik geformt.

Kosten & Doku
Es gebe noch ein paar Nachträge, die nötig seien, ansonsten geht Kämmerer Dieter Uhler davon aus, dass die Kosten für das Feuerwehrhaus nur knapp – rund ein Prozent ist es derzeit – über den geplanten 3,8 Millionen Euro liegen werden. Wie sehr sich die Feuerwehr auf moderne und ausreichend große Räumlichkeiten freut, zeigt sich nicht nur an den Eigenleistungen – sie hat den Rohbau geputzt, erledigt die Druckluftverrohrung der Fahrzeughalle, verlegt die Löschwasserleitung im Übungsturm und nimmt einen Teil der Bepflanzung vor. Sondern auch daran, dass Tobias Hauser jeden Tag den Baufortschritt dokumentiert. „Er hat schon 2500 Fotos gemacht“, erzählt der stellvertretende Kommandant Markus Schüchtle. Dieser berichtet davon, dass bereits fünf Anfragen von Feuerwehren aus der Umgebung vorliegen, die den Übungsturm nutzen wollen. bif

Artikel der Heilbronner Stimme vom 13.09.2014